Lindenberg i.Allg.,  30.April/01.Mai 2005
Turniersieger:  SG Ü36 Petersberg
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unsere Helden von Lindenberg i.Allg. 2005

ALLES NACH PLAN, DIE DRITTE - Ü36 HOLT WESTALLGÄU-CUP
Alter schützt vor Toren nicht

Lindenberg im Allgäu: Es ist vollbracht, der lupenreine Pokal-Hattrick ist perfekt. Der sagenumwobene Westallgäu-Cup - zur besseren Einordnung: sein Stellenwert gleicht in etwa dem der Champions League beim Fußball – wanderte nun schon zum dritten Mal in Folge an den Petersberg. Einmal mehr lief alles nach Plan. Einzige kleine Änderung zu den beiden Vorjahren: Der Sieger trug im Jahre 2005 das kleine Annex "Ü36". Denn diesmal hatte die SGP gleich zwei heiße Eisen ins Pokalfeuer geworfen. Den totalen Triumph komplettierte das jüngere Team der SG Petersberg I, das am Ende den dritten Platz belegte.
Bevor wir unserem Ruf als deutscher „Westallgäu-Cup-Rekordmeister“ gerecht werden konnten, hing die Abreise allerdings an einem äußerst dünnen Faden. Denn uns war zu Ohren gekommen, dass just in der Region, in der unser geliebtes Turnier ansässig ist, eine seltene Epidemie im Ausbruch befindlich war: die Unterhopfung. Doch trotz aller Warnungen des Innenministers sowie unserer Frauen und Mütter, traten wir wagemutig den langen Weg an. Schließlich hatte keiner von uns eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, und als Pokalverteidiger hatten wir ja auch einen Ruf zu verlieren. So bepackten wir unsere beiden Busse sowie ein weiteres Versorgungsfahrzeug mit Taschen und einigen großen roten Medizin-Schachteln (wobei mancher Jungspund, noch grün hinter den Ohren, vom Leichtsinn und der Naivität eines Dreikäsehochs beseelt, glaubte, er könne der Unterhopfung ein ganzes Wochenende lang entgegenwirken, wenn er sich die Medizin mit einem Mannschaftskollegen und Verwandten teilte) und brachen frohen Mutes zu unserem glorreichen Triumphzug auf. Auf dem Weg hieß es dann zum einen, der Unterhopfung vorzubeugen, zum anderen Spieltaktiken zu entwickeln und schließlich, sich durch klassische Sonaten und Symphonien vom Erfolgsdruck abzulenken.
Dank unserer Fahrer Ole, Peter und Thorsten sicher angekommen, ging es nach einem ausgedehnten Abendessen und daran anschließender Spielersitzung auch nicht allzu spät ins Bett. Schließlich hatten wir uns vorgenommen, den Cup im Endspiel zwischen den beiden Petersberger Mannschaften auszuspielen. Zumindest hatten wir das unserer Anreise vorausgeschickt. Das dies allerdings am Ende nur eine geschickt inszenierte Intrige war, wussten zu diesem Zeitpunkt nur wir selbst – aber dazu gleich mehr.
Die ersten Vorrundenspiele verliefen nach Plan, Petersberg I und die Ü36 fuhren gegen die oft von der Unterhopfung geschwächten Gegner Sieg um Sieg ein. Und just in dieser Phase, als niemand damit rechnete und die ansässige Presse schon erste Interviews mit uns zu führen begann, zündeten wir die Bombe. Wie abgesprochen gab Petersberg I gegen den ambitionierten Gastgeber Lindenberg eine klägliche Vorstellung ab, Unmutsäußerungen untereinander und vom Spielfeldrand verliehen unserer Intrige eine astreine Fassade. Denn die SGP unterlag 1:5. Das bedeutete Rang zwei in der Gruppe und damit das Aus für das scheinbare Traumfinale, denn die Ü36 ging als Gruppenerster hervor. Nun stand fest: wenn beide SGP-Teams aufeinander treffen sollten, dann bereits im Halbfinale. Im Irrglauben, uns Petersbergern einen deftigen Schlag versetzt zu haben, feierten die Handballer des TSZ Lindenberg ihr Danaer-Geschenk (ein Präsent, das sich am Ende doch als nachteilig auswirkt, so wie das Trojanische Pferd) und machten sich von nun an ernste Hoffnungen auf den Turniersieg. Die Folge: Während wir in der Gewissheit, dass unser Plan aufgehen würde, unsere 400-Gramm-Steaks genossen und auf der abendlichen Handballer-Party gut gelaunt gegen die Unterhopfung kämpften, setzten sich die Gastgeber selbst unter Erfolgsdruck. Einziger Wermutstropfen eines insgesamt gelungenen Tages: Die Unterhopfung forderte ihren Tribut. Ein schweizer Eidgenosse hatte die Medizin leider überdosiert und wurde Opfer ihrer Nebenwirkungen. Mehrfach wurde er dabei beobachtet, wie sein Versuch der „körperlichen Vereinigung“ mit einem Ideal-Standard-Becken fehlschlug. Erschöpft sank der Ärmste (un)verrichteter Dinge zu Boden und in einen tiefen Schlaf. Doch dem besorgten Leser sei an dieser Stelle Entwarnung gegeben: Am nächsten morgen ging es dem Ärmsten schon wieder den Umständen entsprechend gut.
Nun aber zum Finaltag – unsere Taktik sollte so sauber aufgehen wie ein Hefeteig. Im Viertelfinale siegte die Ü36 mit 12:7 gegen die Pink Panthers, Petersberg I gwann mit 8:7 nach 7m-Werfen gegen TV Immenstadt. So zogen beide Petersberger Mannschaften ins Halbfinale ein, lieferten sich dort ein vorgezogenes Endspiel auf höchstem Niveau, das nach absoluten Glanzleistungen der Torhüter Olaf Ebert und Marcus Hering (Endstand 4:4) im Siebenmeterwerfen entschieden werden musste. Mit einem Pfostentreffer im entscheidenden Wurf verabschiedete sich Petersberg I aus dem Turnier, gewann aber später das Spiel um den dritten Platz gegen TSG Leutkirch klar und souverän. Das Endspiel bestritten wie vorausgesehen die Ü36 und TSZ Lindenberg. Und von Beginn an zeigten unsere Oldies, das Alter nicht vor Toren schützt. Trotz erbitterter Gegenwehr setzten sich die Routiniers schnell mit zwei Toren ab und sollten sich den Vorsprung auch nicht mehr nehmen lassen. Während sich das Leverkusen des Handballs (oder auch Schalke 04 - wie man will), der TSZ Lindenberg einmal mehr mit dem zweiten Platz begnügen musste, triumphierte erneut die SGP. Wie sagte doch schon ein weiser Sportverständiger unlängst: „Handball um den Westallgäu-Cup ist, wenn sich zehn Mannschaften um den Sieg streiten, und am Ende gewinnt Petersberg.“
Umgarnt von Autogrammjägern und Modelagenturen, Fans und Fotografen genossen wir das Bad in der Menge, vergaßen dabei nicht, gegen die Unterhopfung zu kämpfen und konnten am Ende angelehnt an Hannibal Smith unisono verkünden: Wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert.
Nach ausgedehnter Dusche traten wir erschöpft, aber überglücklich die Heimreise an (danke an unsere Fahrer Langer, Stephan und Thorsten), die wir vorrangig nutzten, um zu realisieren, was wir soeben vollbracht hatten. Denn wir haben den Pokal, Halleluja. Und das nun schon zum vierten Mal, Halleluja !
Schon jetzt hält sich hartnäckig des Gerücht, daß unser Achim schon wieder an der Mannschaft für 2006 feilt.

In diesem Sinne: bis zum nächsten Jahr mit einem neuen, perfekten Plan. Und immer daran denken, liebe Lindenberger: Nichts ist so, wie es scheint.