Lindenberg i.Allg.,  03./04.Mai 2003
Turniersieger:  SG Petersberg
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unsere Helden von Lindenberg i.Allg. 2003

ALLES NACH PLAN

Lindenberg im Allgäu: Wir schreiben Sonntag den 4. Mai 2003. Es ist 17:03 Uhr. Knisternde Spannung in der örtlichen Drei-Felder-Sporthalle. Petersberg führt im Spiel gegen Bernhausen mit 6:5. Die Zeit läuft. Bernhausen ist am Ball, wirft alles nach vorne, holt aus zum letzten Gegenzug – doch der ballführende Spieler wird gestoppt. Die Schlusssirene, noch ein direkter Freiwurf. Kurzes Zittern – die Mauer steht. Der Ball geht über das Tor – die Entscheidung. Es ist 17:04 Uhr. Jubelströme lassen den Hallenboden beben, Menschen liegen sich in den Armen, Blitzlichtgewitter erfüllen das Halbdunkel der Sporthalle mit stechendem Glanz, stehende Ovationen huldigen dem Sieger und einem knapp geschlagenen Verlierer. Ein Moment zwischen Freudentaumel und Fassungslosigkeit: Die SG Petersberg hat den West-Allgäu-Cup in Lindenberg gewonnen. Für manchen ein besonderer Tag, denn für einige Spieler ging nach 17 Jahren ein nicht mehr für realisierbar gehaltener Traum in Erfüllung. So lange versuchte Urgestein Achim Sujer die begehrte Trophäe an den Petersberg zu holen. Nun war es soweit. Denn endlich einmal lief „alles nach Plan“.
Von Beginn an herrschten beste Voraussetzungen. Mit 16 Spielern stand eine schlagkräftige Mannschaft zur Abfahrt bereit, eine ähnlich große Anzahl roter Kisten mit einem isotonischen Hopfen-Malz-Getränk sollten den Organismus das Wochenende über auf Trab halten. Bereits vor der Abfahrt hatten der Ole und der Christoph mit Weißwürsten und eiskaltem Weizenbier einen perfekten Einstieg in ein erfolgreiches Wochenende bereitet, die Fahrer Ole, Bernd und Stefan topfit, die Tanks voll, und ein motivierter Haufen Sportler – es konnte losgehen. Die Fahrt verlief ohne größere Zwischenfälle, für eine optimale sportliche Verfassung am nächsten Tag wurde bereits jetzt mittels Verzehr etlicher isotonischer Getränke der Grundstein gelegt. Die Spielvorbereitung am Abend schien perfekt. Mexikanisches Essen, kalte Getränke, ein kurzer Mannschaftsempfang in einer ortsansässigen Lokalität, und es war Bettruhe angesagt. Die Nervosität war bereits allerorts spürbar. Mancher Spieler versuchte seine Sorge durch Bestellung exorbitant starker Wodka-Mischungen zu ertränken, andere ließen den Mannschaftsempfang ganz aus und machten sich sofort an den unumgänglichen Fitness-Schlaf – nur noch ein paar Stunden...
Samstag. Der Tag der Vorrundenspiele. Ungewissheit, Fragen: „Wie schwer ist unsere Gruppe?“, Nervosität. Doch bereits nach dem ersten Spiel stellt sich Optimismus ein. Mit 7:4 wird Leutkirch klar geschlagen, auch die beiden anderen Gruppenspiele werden gewonnen, 7:6 gegen Uni Augsburg und 3:2 gegen HG Ingolstadt. Der Gruppensieg ist perfekt. Es läuft alles nach Plan. Während manche Spieler in prophetischer Sicherheit bereits den Turniersieg proklamieren, ist diese Überzeugung bei manchem Spieler eher schemenhaft spürbar. Am meisten sorgt sich unser Achim. Wird es diesmal endlich reichen? Geistesabwesend und gedankenversunken läuft er durch die Halle, versäumt drei „Chianti-Weins“ und die Duschtaufe unseres Neulings. Noch einmal schlafen...
Doch dazwischen musste noch einige Zeit überbrückt werden. Nachdem wir im Gasthof „Schönblick“ ein imposantes Panorama genießen durften, das nur noch von der „Freundlichkeit“ des Inhabers übertroffen wurde, und einige Spieler in Bergen von Pommes Frites zu ersticken gedroht hatten, bereiteten wir uns auf das Stelldichein auf der abendlichen Handballer-Party vor. Doch leider schienen wir eine der wenigen Mannschaften zu sein, die nicht aus Angst vor Fitnessverlust durch Alkoholgenuss lieber im warmen Bett blieben, sondern zumindest den Gruppensieg schon einmal ausgiebig begossen. Und nicht nur das – daneben fielen wir noch durch die ein oder andere Samaritertätigkeit positiv auf. So wurde eine arme, lauthals um ihr noch junges Leben klopfende Frau aus einem Kühlwagen befreit, durch den Kauf einiger Flaschen eines russischen Nationalgetränkes bewahrten wir den Turnierveranstalter vor erdrutschartigen finanziellen Einbußen. Dadurch, dass wir mit sieben Personen in einem Doppelzimmer übernachteten, bewahrten wir die hoteleigenen Zimmermädchen davor, in diversen anderen Zimmern die Betten machen zu müssen und stärkten zugleich die Homogenität der Mannschaft. Eigentlich konnte jetzt nichts mehr schief gehen. Doch da war sie, die Angst vor dem ersten, frühen Viertelfinal-Spiel am Sonntag-Morgen. Der Gegner: die Pink Panthers aus Donauwörth, verstärkt mit einigen Akteuren der Uni-Augsburg, die es sich, wie auf der Party am Vorabend proklamiert, zum Ziel gesetzt hatten, unserem Siegeszug ein Ende zu bereiten.
Doch weit gefehlt. Bereits nach drei Minuten führten wir mit 5:0, letztlich hatten wir beim klaren 12:6 keinerlei Probleme. Noch ein Spiel also bis zum Finale. Ausgerechnet das Prestige-Duell gegen Gastgeber Lindenberg. Doch auch in dieser Partie wurden die Schatten, die selbige vorauswarf, letztlich von einer guten Petersberger Leistung überstrahlt. Das 13:6, gleichzeitig der höchste Turniersieg, bedeutete den Einzug ins Finale, in dem die starke Mannschaft aus Bernhausen unser Gegner sein sollte. Doch sollten wir so kurz vor dem Ziel noch einmal ins Straucheln kommen? Letztlich nicht. Noch ein paar „Hochstift-Tässchen“ mussten ihr Leben lassen, dann ging es los. Dem Gegner, immerhin heißer Anwärter auf die Deutsche Meisterschaft im EK-Verband, machten wir durch eine kompakte Abwehrarbeit das Leben schwer. Und obgleich wir eine Vielzahl von Chancen ungenutzt ließen, hieß es letztlich: And the Winner is SG Petersberg. Freudenstrahlend nahm Achim Töppi Sujer, der aus Gründen des Aberglaubens im Endspiel nur als Coach zum Einsatz kam, diesen Job aber gut erledigte, den Cup entgegen und verteidigte den Pokaldeckel geistesgegenwärtig vor heranstürmenden weiblichen Fans. Die Mission war vollendet, der Plan aufgegangen. Ein sichtlich gezeichneter, aber müder Sieger nahm zum Siegesfoto Aufstellung und trat mit dem Cup im Gepäck die Heimreise an, die außer einem exorbitant hohen Taschentuchverbrauch („Gebt mir gleich alle“) keine besonderen Vorkommnisse aufwies.
Zum Schluss noch einige Dankeschöns: Ein Dank gilt unseren Fahrern, die uns sicher und schnell an jedes Ziel gebracht haben; unserer Sieben-Mann-Suite, in der man sich sogar im Badezimmer automatisch die Schuhe putzen konnte; dem Ebi, für seinen unermüdlichen und engagierten Einsatz auch außerhalb des Spielfeldes; dem Basti, der durch seine „Ballsicherheit“ die Halle in Ekstase versetzte; dem Kassenwart, der uns die Abende mit dem Inhalt der Mannschaftskasse frei gehalten hat und dafür mit dem Pokal belohnt wurde und natürlich unserem Achim schon einmal im voraus für dir große Pokalparty, die demnächst in seinem Garten steigen wird.
Ein Hoch auf die Helden von Lindenberg, denn wir haben den Pokal, Halleluja !!!!!!!!!